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Sterben des Seligen Pater PiosDie Wundmale des P. PiosP. Pio ist ein seliggesprochener Pater des Kapuziner-Ordens. (25.5.1887 – 23.9.1968). Er war in der ganzen Welt vor allem durch seine besonderen Gaben bekannt. Er trug genau 50 Jahre lang die Wundmale Jesu an seinem Leib.
Bei seinem Sterben trug sich folgendes zu:Er
sagte oft: «Ich fühle mich elend, es
fehlt mir nur noch das Grab! Ich bin mehr im Jenseits als hier unten! Betet zum
Herrn, dass er mich sterben lasse!» An diesem Abend [22.9.1968] war der Wärterdienst
bei ihm an Pater Pellegrino. Seinem Bericht über diese Nacht entnehmen wir
folgendes:
«Über die Zellenrufanlage», berichtet Pater
Pellegrino, «rief mich Pater Pio auf sein Zimmer. Er war im Bett und lag auf
der rechten Seite. Er bat mich nur darum, wie spät es an seinem Wecker sei, der
auf seinem Nachttisch stand. Von seinen geröteten Augen habe ich ein paar Tränen
weggewischt und bin in die Zelle Nr, 4 zurückgekehrt, um vor der Rufanlage, die
immer in Betrieb gelassen wurde, in Hörbereitschaft zu verharren. Der Pater
liess mich bis um Mitternacht noch fünf bis sechs Mal zu sich kommen. Er hatte
immer noch von Tränen gerötete Augen, doch weinte er sanft und heiter. Um
Mitternacht flehte er mich wie ein verängstigtes Kind an: «Bleibe bei mir,
mein Sohn!» und immer wieder fragte er mich nach der genauen Zeit. Er blickte
mich mit flehenden Augen an und drückte mir sehr stark die Hände. Dann,
als hätte er den Sinn für die Zeit verloren, fragte er mich unablässig: «Junge
hast Du die Messe schon gelesen?» Ich erwiderte lächelnd: «Pater Spiritual,
es ist jetzt noch zu früh für die Messe!» - «Nun gut, erwiderte er, dann
wirst Du sie heute morgen für mich lesen!» - «Aber ich lese sie doch jeden
Morgen nach Ihrer Meinungen!» Danach
wollte er beichten und nach seiner Beichte, sagte er zu mir: «Mein Sohn, wenn
der Herr mich heute ruft, bitte meine Mitbrüder um Verzeihung für allen
Verdruss, den ich ihnen bereitet habe. Bitte sie, sowie meine Söhne darum für
meine Seele zu beten!»
Dann
äusserte er den Wunsch, seine Ordensprofess zu erneuern. Um
ein Uhr morgens sagte er zu mir: «Höre, mein Sohn, hier in meinem Bett kann
ich nicht gut atmen, lass mich aufsitzen. Sitzend werde ich besser atmen!» Er
hatte die Gewohnheit, um ein Uhr, um zwei oder drei Uhr früh aufzustehen, um
sich auf die Messe vorzubereiten. Bevor er sich in den Lehnstuhl setzte, tat er
einige Schritte auf dem Gang. In dieser Nacht habe ich mit Überraschung
bemerkt, dass er mit leichtem Schritt, gänzlich aufrecht, wie ein junger Mann
dahinwandelte, dabei brauchte er meine Unterstützung nicht. Am Eingang seiner
Zelle sagte er zu mir: «Gehen wir doch für einen Augenblick ruf die Terrasse
hinaus!» Ich folgte ihm, wobei ich meine Hand unter seinen Arm hielt. Er selber
zündete die Lampe an. Beim Lehnstuhl angekommen, setzte er sich und schaute
neugierig rings umher. Er schien mit seinen Augen etwas zu suchen. Fünf Minuten
später wollte er in seine Zelle zurückkehren, doch da sagte er mir: Das
schaffe ich nicht!» In der Tat war er schwer geworden. «Pater Spiritual,
halten Sie sich darüber nicht auf», sagte ich zu ihm, um ihn zu ermutigen, und
zog den Fahrstuhl herbei, der gerade nebenan sich befand. Ich hob ihn auf, indem
ich ihn unter den Achseln fasste und setzte ihn auf den Fahrstuhl. Er selber zog
die Füsse hoch, um sie auf das Trittbrett abzusetzen. Als wir wieder in seine
Zelle zurückgekehrt waren, wies er mit der linken Hand und dem Blick auf den
Fahrstuhl hin und sagte: «Schaff ihn hinaus!» Bei
meiner Rückkunft nahm ich wahr, dass der Pater erbleichte. Seine Stirn bedeckte
sich mit kaltem Schweiss. Mich fasste Entsetzen, als ich sah, dass seine Lippen
verblichen. Er wiederholte unablässig: «Gesù, Maria!» [Jesus, Maria, Anm. d.
Übers.] mit allmählich verblassender Stimme. Ich
erhob mich, um einen Mitbruder herbeizurufen. [...] Eilends lief ich zur Zelle
von Pater Mariano, doch als ich die Türe bei Frater Guglielmo (Bill) weit offen
stehen sah, zündete ich die Lampe an und schüttelte ihn: «Pater Pio fühlt
sich elend!» Im Nu stürzte Frater Guglielmo in die Zelle Pater Pios und ich
lief ans Telephon, um Dr. Sala herbeizurufen. In kaum zehn Minuten kam er
herbei. Als er den Kranken sah, machte er sogleich eine Spritze bereit. Doch
Pater Pio wiederholte unablässig mit allmählich nachlassender Stimme und mit
einem immer weniger wahrnehmbaren Bewegen der Lippen: «Gesù. Maria!... »
Während
die Ärzte damit beschäftigt waren, dem Sterbenden eine Sauerstoffmaske
vorzubinden, versah ihn Pater Paolo mit der Krankensalbung. Rings herum knieten
betend seine Mitbrüder. Um
2 Uhr 30 neigte er sanft das Haupt und entliess seinen letzten Hauch. Das war am
23. September 1968. Alle
Anwesenden küssten die Hand des hingeschiedenen Paters und zogen sich zurück,
um das Bereiten des Leichnams zu ermöglichen. Die
schmerzliche Nachricht rief Betroffenheit, Rührung bis zu Tränen und Gebete
hervor. Bald war die ganze Welt davon benachrichtigt: das wie bei Jesus
durchbohrte Herz hatte zu schlagen aufgehört. Unter
Tränen zog die Menschenmenge lange in der Kirche an dem mit einer Glasscheibe
bedeckten offenen Sarg vorüber, um der sterblichen Hülle des Paters die letzte
Ehre zu erweisen. Immer strömten neue Ankömmlinge herbei und der
Ordnungsdienst war erschöpft. Am Abend dieses Trauertages konnte man nicht
einmal die Kirchtüren schliessen... Die ganze Nacht hindurch zog der
Beileidszug am Leichnam Pater Pios vorbei. [vgl. Derobert, P. Pio durchsichtig auf Gott, (Hovine-Verlag, 33, rue Longue B-7713 Marquain, Belgien, 1990) S. 801-803)] |