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Ein fiktives Interview mit dem Theologen Prof. Dr. Hoffmann:

Moderatorin: Nun, Herr Prof. Dr. Hoffmann, sie haben von anderen über deren Sexualität gesprochen. Wie kommen sie denn eigentlich damit zurecht? Wenn im Frühling alles sprießt und grünt, überkommt es sie da nicht manchmal?

Theologe Prof. Dr. Hoffmann:  Nun, das ist eine sehr persönliche Frage. Ich will sie so gut wie möglich beantworten. Als erstes möchte ich sagen, dass ich natürlich ein Mann bin wie jeder andere auch. Manchmal wenn ich ein verliebtes Pärchen sehe, dann freue ich mich darüber. Aber direkt eifersüchtig bin ich nicht. Und ich wünsche es mir als ganze Person nicht. Es gibt natürlich Teile meiner Persönlichkeit, die nach körperlicher Nähe und sexueller Erfüllung suchen. Ich möchte als Hunger nach dem anderen Geschlecht bezeichnen.

Und trotzdem lebe ich ehelos eines höheren Ideales wegen. Den ersten Grund, der wohl am einfachsten zu verstehen ist, ist die Solidarität mit denen, die eben ihre Sexualität nicht ausleben können. Und das ist ein sehr großer Teil unserer Bevölkerung. Ich bin mir sicher, dass nur ein Teil der Bevölkerung sich als sexuelle erfüllt sieht, von den ehelichen Lebensgemeinschaften, die dem Ideal der Kirche entsprechen, ganz zu schweigen. Es gibt sehr viele Frauen und Männer die auch trotz einer partnerschaftlichen Gemeinschaft in ihrer Sexualität unbefriedigt bleiben und mit diesen lebe ich und fühle ich mit.

Zum zweiten zeige ich mit meinem Leben, dass man sinnvoll und erfüllt leben kann auch ohne Geschlechtsverkehr. In gewissem Sinne lebe ich in einer Art Protest- oder Mahnhaltung gegenüber unserer Gesellschaft. Die Werbung will jedem einreden er könne nicht ohne Sex glücklich werden. Schon Jugendliche stehen unter einem ungeheuren Erfolgsdruck auf diesem Gebiet. Wenn sie nicht das leisten, was gewisse Boulevard Magazine von ihnen verlangen, erleben sie sich als impotent, unfähig, abgeschrieben. Nun, ich zeige mit meinem Leben, dass ein Mensch sich nicht diesem gewaltigen Druck unterstellen muss, sondern frei leben kann.

Zum dritten ist mein Leben eine Art prophetisches Zeichen. Ich gebe durch mein Leben Zeugnis von einer Welt, die ohne die körperlichen Formen der Sexualität auskommt und die Menschen ganz und gar glücklich macht. Es ist die Welt des jenseitigen Lebens, das wir traditionell Himmel nennen.

Zum vierten bin ich durch mein eheloses Leben freier von der Mühsal und Last der Sexualität. Es ist ja nicht so, dass das intime Leben mit dem anderen Geschlecht nicht den ganzen Menschen beeinflussen würde. Der Hl. Paulus sagt es einmal mit ganz einfachen Worten: Der verheiratete Mann will seiner Frau gefallen, der unverheiratete Gott.

Moderatorin: Wie aber halten sie es denn dann aus. So ganz ohne Frau? Oder machen sie es mit sich selbst?

Theologe Prof. Dr. Hoffmann: Es ist nicht unmöglich vollkommen abstinent zu leben. Biologisch und psychologisch gesehen ist es möglich. Da ist nicht irgend ein Organ, das sich selbständig machen würde und über mich bestimmen könnte. Nun bei mir ist es so, dass der körperliche Sexualtrieb zwar unbefriedigt bleibt aber das Glück das ich im Gebet, in der Meditation und im Leben mit Gott erfahre diesen Mangel mehr als wett macht. Hinzu kommt noch eine Öffnung für alle Menschen. Würde ich in einer regulären Ehe leben, würde ich viel mehr Zeit meiner Frau und Familie widmen. Da ich aber ehelos lebe, werden andere Menschen zu meiner Familie.

Moderatorin: Haben sie also Sex mit Gott?

Theologe Prof. Dr. Hoffmann: Ich habe innige Verbindung mit ihm aber nur im geistigen Bereich. Das ist mit einem sexuellen Verkehr kaum zu vergleichen, zumal der Körper relativ unbeteiligt daran ist. Außer einem Gefühl der Entspannung und Ruhe spürt der Körper nichts. Mein Geist aber erfährt einen tiefen inneren Frieden, eine Erfüllung, die mir kein Mensch auf Erden geben könnte, da mein Geist dem unendlichen Geist begegnet.

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